Bedburg28.10.1938
Vor den Augen der versammelten Bedburger:innen wird das jüdische Ehepaar Gartenberg auf einem Pferdewagen über den Marktplatz gefahren. Aus den Fenstern lehnen Schaulustige und ein Kind ist für die bessere Sicht auf einem Obelisken geklettert.
Das Verfolgungsereignis
Deportation von Bedburg an der Erft nach Zbąszyń am 28.10.1938
Per Schnellbrief befahl Reinhard Heydrich am 26. Oktober 1938 die Verhaftung und kollektive Ausweisung der im Deutschen Reich lebenden Jüdinnen und Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit. Am 27. Oktober 1938 nahm die Bedburger Ordnungspolizei den aus Westgalizien stammenden Abraham Gartenberg und seine aus dem Rheinland stammende Frau Erna Gartenberg fest. Am 28. Oktober 1938 brachte der Schutzpolizist Franz Spakowski die Gartenbergs zur Sammelstelle in den Messehallen Köln-Deutz. Dafür mussten sie zunächst auf dem menschengefüllten Marktplatz einen Pferdewagen besteigen, auf dem man sie vor aller Augen zum Bedburger Bahnhof transportierte. In die Messehallen wurde auch ihre achtjährige Tochter aus ihrem jüdischen Kölner Internat verschleppt. Mit Hunderten weiteren Menschen aus dem Raum Köln wurde die Familie Gartenberg mit einem Sonderzug nach Neu-Bentschen an der polnischen Grenze verschleppt. Abraham Gartenberg gelang es, die unmittelbare Weiterreise nach Lemberg zu organisieren, während die meisten Ausgewiesenen monatelang in einem Flüchtlingslager in Zbąszyń ausharren mussten.
Über die Bildserie
Bedburg, 28.10.1938
Beschreibung
Bei dem einzigen überlieferten Foto der Deportation aus Bedburg am 28. Oktober 1938 handelt es sich um einen historischen Abzug mit Büttenrand. Es wurde aus einem unbekannten Album entnommen, worauf die schwarzen Papierreste auf der Rückseite hinweisen. Es wurde entweder von Abraham oder Erna Gartenberg mit „1938 meine Verhaftung“ beschriftet.
Es zeigt den Bedburger Marktplatz menschengefüllt. Selbst in den Fenstern stehen Zuschauende und verstärken den Eindruck einer öffentlichen Inszenierung der Abschiebung der Gartenbergs. Es wurde vermutlich aus einem Fenster heraus aufgenommen.
- Überlieferung
Wer das Bild von der Deportation der Familie Gartenberg aus Bedburg machte, ist nicht bekannt. Und auch wie es – vermutlich nach dem Krieg – in die Hände von Abraham und Erna Gartenberg geriet, ist nicht überliefert. Der historische Abzug des Fotos befindet sich im Nachlass seines Sohnes Ralph Gartenberg, der 2022 verstorben ist. Dieser wird von seinen Angehörigen verwahrt.
- Signatur bei der besitzenden Entität
- ohne Signatur
- Bezeichnung des Bildes bei der besitzenden Entität
- ohne Titel
- Danksagung
Ich bedanke mich herzlich bei Rob Gartenberg für seine engagierte Unterstützung meiner Recherchen und die vielen spannenden Informationen über seine Familie und bei Bastian Möller vom Stadtarchiv Bedburg, dessen großes Engagement diese Recherche deutlich vereinfacht hat.
- Bildserie bearbeitet von
- Lisa Paduch



