Stadtlohn

10.12.1941

Vor ihrer Deportation müssen sich die zehn jüdischen Stadtlohner:innen zum Gruppenfoto vor dem Schaukasten des „Schwarzen Korps“ am Rathaus aufstellen.

Bild: Stadtarchiv Stadtlohn

Mit freundlicher Genehmigung von

Stadtlohn, 10.12.1941

Das Verfolgungsereignis

De­por­ta­ti­on von Stadt­lohn nach Riga am 10.12.1941

Am 10. Dezember 1941 wurden die zehn letzten jüdischen Einwohner:innen aus Stadtlohn ins Ghetto Riga deportiert. Sammelpunkt war das als sogenanntes Judenhaus genutzte Haus der 1938 nach Polen ausgewiesenen Familie Sturmläufer. Die Stadtlohner Jüdinnen und Juden wurden mit einem Lastwagen des Fuhrunternehmens Wullers zur Viehversteigerungshalle in Ahaus gefahren. Bei ihrer Abfahrt aus Stadtlohn versammelten sich schaulustige Kinder und sangen Schmählieder. Von Ahaus aus wurden die Stadtlohner:innen mit anderen Verfolgten aus der Region mit dem Zug nach Münster gebracht, wo sie für drei Nächte im Sammellager „Gertrudenhof“, einem ehemaligen Ausflugslokal, untergebracht wurden. Am 13. Dezember 1941 wurden sie von dort aus mit mehr als 1.000 weiteren Personen aus Westfalen in Personenwagen der 3. Klasse deportiert. Sie kamen am 16. Dezember 1941 in Riga an. Um das Ghetto zu leeren, waren dort zuvor knapp 30.000 lettische Jüdinnen und Juden ermordet worden. Von dem ersten Westfalener Transport sind 102 Überlebende bekannt – einer davon aus Stadtlohn. Die übrigen 929 Menschen ermordeten die Nationalsozialisten in Ghettos und Lagern.

Über die Bild­se­rie

Überliefert ist die Reproduktion eines Gruppenbildes der zehn deportierten Stadtlohner Jüdinnen und Juden. Die Menschen stehen vor dem Zeitungsschaukasten der SS-Publikation „Das Schwarze Korps“, der an der Rückseite des Stadtlohner Rathauses angebracht war. Das Rathaus war etwa 100 Meter vom Sammelpunkt in der Rezepterstraße entfernt. Warum dieser Ort für das Foto gewählt wurde, ist nicht bekannt.

Fotograf:in

Un­be­kannt

Überlieferung

Das Foto wurde vermutlich von einem Polizeiposten oder dem Ortspresseamtsleiter der NSDAP als Beleg für die erfolgreiche Deportation der Stadtlohner Jüdinnen und Juden aufgenommen. Es wurde im Stadtarchiv Stadtlohn überliefert. Dort fand es nach dem Krieg Rechtsanwalt Heinrich Kühle und nutzte es Anfang der 1950er Jahre, um das Wiedergutmachungsverfahren eines Überlebenden aus Stadtlohn in Gang zu setzen. Später kam das Foto in den Besitz von Heinrich Himmelberg, der dessen Wert erkannte, es verwahrte und es Anfang der 1980er Jahre nach Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ veröffentlichte. Heute ist der Verbleib des Originalabzugs nicht bekannt; im Stadtarchiv Stadtlohn liegt lediglich eine Reproduktion vor.

Si­gna­tur bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

FA 1158

Be­zeich­nung des Bil­des bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

De­por­ta­ti­on Stadt­lohn

Danksagung

Ein großer Dank gilt Ulrich Söbbing vom Stadtarchiv Stadtlohn sowie Ingeborg Höting vom VHS-Arbeitskreis „Stadtlohner Geschichte 1933–1945“ für das großzügige Teilen von Forschungsergebnissen und den freundlichen Kontakt.

Text und Re­cher­che: Lisa Pa­duch.

Kooperationsverbund #LastSeen.
Bilder der NS-Deportationen

Dr. Alina Bothe
Projektleiterin

c/o Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg
Freie Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 34A
14195 Berlin
lastseen@zedat.fu-berlin.de