Remscheid

03.03.1943

Das Bild zeigt die Rückseite des abfahrenden Deportationszugs. Im Vordergrund sind die Schutzpolizisten und vermutlich die Kripo-Beamten zu sehen, die die Deportation in Remscheid durchgeführt haben. Es ist unklar, ob sich im Hintergrund am Bahnsteig Zuschauende befinden.

Bild: Historisches Zentrum – Stadtarchiv Remscheid

Mit freundlicher Genehmigung von

Remscheid, 03.03.1943

Das Verfolgungsereignis

De­por­ta­ti­on von Rem­scheid nach Ausch­witz am 3.3.1943

Am 3. März 1943 wurden über 200 als Sinti:zze und Rom:nja verfolgte Menschen aus Remscheid, Solingen und Wuppertal in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verschleppt. Nach Recherchen der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall in Remscheid waren darunter 87 Personen aus Remscheid. Sie waren bereits am Vortag verhaftet worden – an ihren Arbeitsplätzen oder Wohnorten in der Klausener Straße, Am Blaffertsberg und am Gründerhammer. Über Nacht wurden die Sinti:zze und Rom:nja vermutlich im Polizeigefängnis Uhlandstraße festgehalten, im Gebäude der heutigen Polizeiwache am Quimperplatz. Am 3. März 1943 wurden die Menschen nach Auschwitz gebracht; der Transport dauerte sechs Tage. Fast alle der aus Remscheid verschleppten Sinti:zze und Rom:nja wurden ermordet.

Über die Bild­se­rie

Die Serie besteht aus vier Fotografien, deren Original-Glasnegative im Stadtarchiv Remscheid überliefert sind. Die Bilder zeigen den erzwungenen Weg einer Gruppe von etwa 30 bis 40 Menschen durch die Stadt, darunter zahlreiche Kinder und Kleinkinder. Sie gehen mit vergleichsweise wenig Gepäck über die Freiheitsstraße zum Bahnhof, um dort in umgebaute Stückgutwaggons zu steigen. Auf den Bildern sind mindestens fünf uniformierte Schutzpolizisten, zwei Kripo-Beamte in Zivilkleidung und ein Ordnungspolizist in Felduniform zu erkennen. Die Serie entstand an verschiedenen Orten: während des erzwungenen Marsches durch die Freiheitsstraße, vor dem Bahnhof und am Bahngleis.

Fotograf:in

Un­be­kannt , Po­li­zist

Auf den Umschlägen, in denen die Negative und Abzüge der Fotografien im Stadtarchiv Remscheid überliefert sind, ist unter „aufg. von“ (aufgenommen von) „Polizei“ eingetragen. Die Fotos sind zudem in einem Bestand überliefert, der typische administrative Polizeiaufgaben wie die Dokumentation von Unfällen beinhaltet.

Auch die Auswahl der Bildmotive lässt den Schluss zu, dass der Fotograf direkt in das Geschehen involviert war bzw. in einem Vertrauensverhältnis zu den abgebildeten Polizeibeamten stand. So sind auf Bild 2 fünf Schutzpolizisten und zwei Kripo-Beamte in Zivilkleidung abgebildet. Diese posieren für das Foto, als Dokumentation ihrer „Arbeit“. Verantwortlich für die Organisation und Durchführung der Deportation waren die Kripo Wuppertal und die örtliche Schutzpolizei.

Überlieferung

Die Fotografien wurden wahrscheinlich von einem Polizeifotografen aufgenommen und sind im Stadtarchiv Remscheid in Form von Glasnegativen, Negativen und Abzügen überliefert. Sie befinden sich in Umschlägen, die mit dem Titel „Polizei-Abgabe“ und einer Angabe zum jeweiligen Bildmotiv versehen sind. Die Beschriftungen sind euphemistisch und enthalten rassistische Formulierungen. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um zeitgenössische von der Polizei gewählte Bildtitel.

Si­gna­tur bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

52B/6 - 52B/9

Be­zeich­nung des Bil­des bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

Po­li­zei-Ab­ga­be

Danksagung

Wir danken Viola Meike, Stadtarchivarin im Historischen Zentrum Remscheid, deren Artikel die Grundlage für die Erschließung der Fotografien bilden. Außerdem danken wir Andrea Blesius, Klaus Blumberg und Hans Heinz Schumacher (Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V.), die uns die Ergebnisse ihrer Recherchearbeiten zur Verfügung gestellt haben.

Text und Re­cher­che: Ka­tha­ri­na Men­schick und Mal­te Grün­korn.

Kontakt zur Projektleitung
Dr. Alina Bothe
lastseen@arolsen-archives.org

Arolsen Archives
Große Allee 5-9
34454 Bad Arolsen
Deutschland