Moers

10.12.1941

Als Jüdinnen und Juden verfolgte Moerser:innen warten vor der Gaststätte „Steinschen“ auf den Abtransport mit der Krefelder Straßenbahn. Am rechten Fenster steht Karl Coppel. Leo Mandelberger, 13 Jahre alt, blickt in Richtung der fotografierenden Person. Beide wurden von dem Überlebenden Werner Coppel identifiziert.

Bild: Stadtarchiv Moers

Anmerkungen

Moers, 10.12.1941

Das Verfolgungsereignis

De­por­ta­ti­on von Mo­ers nach Riga am 10.12.1941

Am Morgen des 10. Dezember 1941 hatten sich mehr als 80 Personen aus der Moerser Synagogengemeinde an der Haltestelle „Steinschen“ einzufinden. Von dort wurden sie mit einer Straßenbahn der Krefelder Verkehrs AG nach Krefeld gebracht. Gemeinsam mit Krefelder Verfolgten erfolgte die Weiterfahrt bis zum Hauptbahnhof Düsseldorf mit dem Zug. Vom Düsseldorfer Hauptbahnhof mussten die Verfolgten in aller Öffentlichkeit zu Fuß zum Schlachthof Derendorf gehen – ein 45-minütiger Weg. Dort mussten sie die Nacht verbringen.  Am nächsten Morgen fuhr der Zug mit 1.007 Deportierten um 10:30 Uhr ab. Die Waggons waren überfüllt, es gab keine Verpflegung. Am 13. Dezember um 23:35 erreichten sie den Bahnhof Skirotava, Riga. Erst am nächsten Morgen wurden die unbeheizten Wagen geöffnet und die Menschen ins Ghetto Riga gebracht. Von den verschleppten Moerser:innen überlebten nur zwei Personen die Shoah. Die Übrigen wurden in Riga und den umliegenden Wäldern ermordet, erlagen den fatalen Lebensbedingungen des Ghettos oder wurden nach dessen Auflösung im März 1943 in Arbeits- und Konzentrationslager weiterverschleppt und dort getötet.

Über die Bild­se­rie

Es liegen drei Reproduktionen der schwarz-weißen Originalaufnahmen im Format 17 x 12 cm vor. Sie zeigen den Abtransport der Verfolgten aus Moers: Auf einem Bild sind Wartende vor der Moerser Gaststätte „Steinschen“ in der Hülsdonker Straße zu sehen, auf zwei weiteren der Einstieg in die bereitgestellten Straßenbahnwaggons der Krefelder Verkehrs AG. Der Fotograf oder die Fotografin machte die Aufnahmen aus geringer Distanz im direkten Geschehen. Die Qualität ist gering, die Fotos unscharf. Dies könnte darauf hindeuten, dass der:die Urheber:in entweder wenig Erfahrung oder keine Möglichkeit für eine offene und fokussierte Aufnahme hatte.

Fotograf:in

Un­be­kannt

Überlieferung

Das Stadtarchiv Moers fertigte zu einem unbekannten Zeitpunkt die Reproduktionen der drei Deportationsfotografien an. Als Besitzerin der Originale wurde Johanna Meyer vermerkt. Johanna Meyer stammte aus einer jüdischen Familie und war mit dem nicht-Juden Karl Meyer verheiratet. Sie überlebte im Versteck in Moers und lebte bis zu ihrem Tod 1981 in der Stadt. Der Verbleib der Negative bzw. der historischen Abzüge ist unbekannt. Ein Abzug der ersten der beiden Fotografien des Einstiegs übergab das Stadtarchiv Moers 2003 auch dem Archiv der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

Si­gna­tur bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

(60 Fo­tos), 470-472

Be­zeich­nung des Bil­des bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

De­por­ta­ti­on Mo­er­ser Ju­den nach Riga

Danksagung

Ein herzlicher Dank geht an Alena Saam vom Stadtarchiv Moers für ihre engagierte Unterstützung bei der Erschließung der Bilder.

Text und Re­cher­che: Lisa Pa­duch und Mar­cel Lay­her.

Kooperationsverbund #LastSeen.
Bilder der NS-Deportationen

Dr. Alina Bothe
Projektleiterin

c/o Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg
Freie Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 34A
14195 Berlin
lastseen@zedat.fu-berlin.de