Kitzingen

März 1942

Das Bild zeigt vermutlich die Abfahrt des Zugs vom Bahnhof Kitzingen. Der Mann im linken Fenster könnte Michael Völkl sein, der als stellvertretender Leiter der Würzburger Gestapo für die Organisation der Deportation verantwortlich war.

Bild: Staatsarchiv Würzburg

Mit freundlicher Genehmigung von

Kitzingen, März 1942

Das Verfolgungsereignis

De­por­ta­ti­on von Kit­zin­gen nach Iz­bi­ca am 24.03.1942

Am 19. März 1942 mussten sich mehr als 200 Jüdinnen und Juden aus Mainfranken in der Kitzinger Gaststätte „Fränkischer Hof“ einfinden. Hier mussten sie einige Tage ausharren, bis sie am 24. März 1942 über Nürnberg ins Ghetto Izbica deportiert wurden. Eigentlich war der Abtransport nach Nürnberg bereits für den 23. März 1942 vorgesehen.

Der Deportationsbefehl kam aus Nürnberg. Für die Deportation zuständig war die Gestapo-Außenstelle Würzburg, die Leitung oblag dem stellvertretenden Leiter Michael Völkl.

Keiner der Deportierten überlebte: Die Menschen wurden entweder in den Lagern Majdanek oder Sobibor ermordet oder erlagen den katastrophalen Lebensbedingungen im Ghetto Izbica.

Über die Bild­se­rie

Die Bilderserie umfasst mindestens 52 Aufnahmen. Da die Bilder auf Aktendeckeln aufgeklebt als Album überliefert sind, liegen keine Aufnahmen der Rückseiten vor. Das Album enthält Aufnahmen von insgesamt drei von der Gestapo-Außenstelle Würzburg durchgeführten Deportationen. Anders als bei den beiden anderen Serien sind bei der Bildserie vom März 1942 aus Kitzingen keine Beschriftungen der Fotos überliefert. Die Serie liegt teilweise im Staatsarchiv Würzburg und im United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) vor. Die Bilder zeigen den Ablauf der Deportation in Kitzingen: das Eintreffen der Menschen am Sammelort, den Zwangsmarsch, das Besteigen des Zugs und die Verladung des Gepäcks. Die Reihenfolge der Bilder kann nicht sicher rekonstruiert werden.

Fotograf:in

Her­mann Otto, Kri­mi­nal­obe­r­as­sis­tent

Auf Weisung des Nürnberger Polizeipräsidenten Dr. Martin hielt Kriminaloberassistent Hermann Otto die Deportationen im Zuständigkeitsbereich der Gestapo Würzburg ausführlich fotografisch fest. Obwohl auch Kriminaloberassistent Balthasar Lutz zur Anfertigung der Fotos abgestellt wurde, fotografierte nur Hermann Otto.

Hermann Otto, geboren 1896 in Würzburg, war gelernter Steinbildhauer. Er meldete sich 1914 freiwillig zum Militär und trat 1922 in den Dienst der bayerischen Landespolizei. Seit 1938 war er für die Würzburger Gestapo tätig. Ab Sommer 1942 wurde Hermann Otto in das besetzte Osteuropa abgeordnet, zuletzt war er bei der Sicherheitspolizei in Weißrussland. Seit dem 27. Juni 1944 galt er als vermisst. In einem Spruchkammerverfahren wurde er 1948 als „Mitläufer“ eingestuft.

Überlieferung

Die Serie gehört zu einem von der Gestapo Würzburg angefertigten Fotoalbum, das die Deportationen aus Würzburg und Kitzingen im November 1941, März 1942 und April 1942 zeigt. Nach der Entdeckung durch den ursprünglich aus Nürnberg stammenden US-Soldaten Isaac Wahler wurde das Album als Beweismittel im Nürnberger Prozess und im Eichmann-Prozess verwendet. Kopien einzelner Fotos und des gesamten Albums sind in verschiedenen Archiven überliefert. Der Verbleib des Originalalbums war für Jahrzehnte unklar, bis es die Historikerin Dr. Edith Raim Anfang der 2000er Jahre wiederfand. Von den ursprünglich 28 Aktendeckeln des Albums werden 24 in Würzburg aufbewahrt; wo sich die übrigen vier befinden, ist unklar. 19 Bilder sind Kopien aus dem United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), die auf Isaac Wahler zurückgehen.

Si­gna­tur bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

Ge­sta­po 18880a

Be­zeich­nung des Bil­des bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

Ohne Ti­tel

Danksagung

Die Erschließung basiert auf dem von der Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns herausgegebenen Band „Wege in die Vernichtung. Die Deportation der Juden aus Mainfranken 1941 bis 1943“. Für die ausführliche Einsicht in den Bestand 18880a und die Unterstützung des Projekts danken wir dem Staatsarchiv Würzburg herzlich.

Text und Re­cher­che: Ali­na Bo­the.

Kontakt zur Projektleitung
Dr. Alina Bothe
lastseen@arolsen-archives.org

Arolsen Archives
Große Allee 5-9
34454 Bad Arolsen
Deutschland